BURN-ON NOT OUT. WOFÜR BRENNST DU?

Bill Gates ist dankbar für die Meditations-App Headspace, Ariana Huffington bekämpft die wachsende Stress- und Burnout-Epidemie in den USA und Spitzensportlern stehen Mental-Coaches am Spielfeldrand zur Seite.

In Deutschland dagegen fristet das Thema „mentale Widerstandskraft“ bisher ein Schattendasein, über das laut Harvard Business Manager auch Manager selten sprechen, trotz Neugier an dem Thema und massiver Nachteile für Mensch und Wirtschaft. Die Quote stressbedingter Krankmeldungen ist in deutschen Unternehmen in den letzten 15 Jahren um 90% gestiegen. Damit steigt auch die Zahl der Fehltage in die Millionen.

Jeder zweite Beschäftigte glaubt, irgendwann vom Burn-Out bedroht zu sein, 15 Prozent sorgen sich im Zuge der Digitalisierung um ihren Arbeitsplatz, rund 14 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. Für sich genommen sollten diese Zahlen die Wirtschaft bereits in Alarmbereitschaft versetzen, im Angesicht neuer digitaler, kultureller, wirtschaftlicher und politischer Zielsetzungen gewinnen diese jedoch weiter und deutlich an Brisanz. Wie gehen wir vor dem Hintergrund dieser Zahlen den großen Wandel an? Abwarten, Aushalten und Adaptieren sollte in diesen Zeiten jedenfalls keine Option sein.

Devise Mindshift.

Chinas Ziel ist es, bis 2030 Marktführer im Bereich Künstliche Intelligenz zu werden, hierzulande warten wir ab, befürchten Jobverluste durch Digitalisierung, gestehen gleichzeitig ein, dass unsere persönlichen digitalen Fähigkeiten ausbaufähig seien und die Industrienation ist lang nicht so digital wie sie gerne wäre.  

Fakt ist, die Wenigsten werden zukünftig ihr Leben lang in einem Job bleiben. Stattdessen werden ganze Jobs durch Künstliche Intelligenz erleichtert, ergänzt oder ersetzt und Mitarbeiter, deren Einstellung sich mit “Das haben wir immer schon so gemacht” umschreiben lässt, werden zum lähmenden Problem.

In Unternehmen finden Perspektiv- und Kulturwechsel statt, die immer mehr das Potential jedes Einzelnen betreffen. Im Rahmen der Diskussion von „New Work“ wird der Wandel von Profit zu Purpose, von Hierarchien zu Networks, von Kontrolle zum Empowering, von der Planung zum Experimentieren und von der Privatheit zur Transparenz beschrieben (Infographic @tnvora). Christoph Magnussen bringt es auf den Punkt: “Wir befinden uns in einem Wandel zu einer digitalen, hoch-kollaborativen Arbeitswelt”. Wie kollaborativ arbeitest du schon jetzt?

Eine neue Haltung, teilweise komplett neue Fähigkeiten und digitale Werkzeuge lösen dabei Gelerntes ab, während auch zentrale menschliche Werte wie “Empathie”, “Kreativität” oder “Problemlösung” gewinnen. Das World Economic Forum geht davon aus, dass bis 2022 54 Prozent aller Beschäftigten “signifikant re- oder upskillen” müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Top 3 zukünftiger Anforderungen “Analytical thinking and innovation”,  “Active learning and learning strategies”, “Creativity, originality and initiative”. 

Verständnis von Business & Arbeit

Die nächsten Generationen fassen Arbeit anders an. So streben Millenials und Gen Z neben flexiblen Arbeitszeiten und -Orten und einer guten Work-Life-Balance nach sinnstiftender Arbeit. Sie könnten echte “Agents of Change” werden, die Business als Mittel verstehen, um die Welt zu gestalten, in der sie leben wollen. Welche Unternehmen kommen mit diesem Mindset bei uns langfristig als attraktiver Arbeitgeber in Frage? Kurzgedachte Corporate Social Responsibility Maßnahmen werden diese Generation nicht über ein allein gewinnorientiertes Unternehmensziel hinweg täuschen.

Wir stehen kurz vor dem Sprung zu einer neuen Weltsicht, die nicht nur Wachstumsschmerzen mit sich bringt, sondern uns persönlich wachsen lassen kann. Leider sind wir in Deutschland jedoch “Reaktionsweltmeister”, aber “nicht veränderungsbereit”. Das hat Auswirkungen.  

Sehnsucht nach Stille

Sowohl „Zeit“, als auch „Psychologie Heute“ gehen in ihren aktuellen Ausgaben dem Phänomen auf den Grund, dass Menschen in Deutschland sich in der lauter tönenden Welt zunehmend nach Stille sehnen. Tatsächlich wächst die Nachfrage nach kurzen Retreats, in denen wir hoffen, schnell abschalten zu können, um dann schnellstmöglich wieder voll durchstarten zu können oder nach „Noise-Cancelling“-Kopfhörern, die inmitten von Fluglärm, Großstädten oder Großraumbüros einen ruhigen Zufluchtsort versprechen. Menschen, die Stille bspw. in der Arktis für wenige Sekunden tatsächlich erleben konnten, beschreiben ein unwirkliches, befreiendes Gefühl, aber tatsächlich wird sie auch als Instrument der Folter eingesetzt. Häufig versuchen wir sogar, Situationen eher aus dem Weg zu gehen, bei denen es allzu still werden könnte. Gerade wenn wir besonders unter Strom stehen, Gedanken sich überschlagen und wir nicht abschalten können, wird die Stimme in unserem Kopf bei äußerer Ruhe umso lauter und erinnert uns an To-Dos, Streitgespräche mit Kollegen oder die ungesicherte Altersvorsorge. Und das tut sie nicht in motivierenden Engelszungen, sondern böswilliger, als wir es in jeder anderen Beziehung zulassen würden.

Es liegt an uns

Vor allem stressen uns Termindruck, ständige Erreichbarkeit, hohe Ansprüche an uns selbst, schlechte Vereinbarung von Beruf und Familie, Kontrollverlust etc.

Für unsere persönlichen negativen Stressoren müssen wir uns selber stärken und besser einschätzen. Der Historiker Yuval Harari (Autor von u.a. 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert) sieht es als unerlässlich an, dass wir uns selbst und damit unsere Ängste und Schwächen besser kennenlernen müssen, um unseren Platz in der Zukunft zu sehen, aber auch um neuen Manipulationen der Wirklichkeit in Social Media & Co. nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Gerade die jungen politischen Ereignisse zeigen, dass große Datenmengen und künstliche Intelligenzen genutzt werden können, um bei uns Ängste auszulösen und damit sogar Wahlen zu beeinflussen.

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin

Vielleicht auch interessant:

Mindful

Bestcase: Routine.

Zahlreiche erfolgreiche Manager*innen und zeitgenössische Innovator*innen üben sich in so genannten Morgen-Routinen, durch die sie ihre mentalen Kräfte kontinuierlich stärken. Und, Überraschung: Der Start in

Weiterlesen »
Mindful

Definiere Burnout.

Mai Thi Nguyen-Kim, Nachfolgerin von Ranga Yogeshwar bei Quarks & Co., promovierte Chemikerin und ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin, widmete sich auf ihrem YouTube Kanal im letzten Video

Weiterlesen »
Mindful

BURN-ON NOT OUT. WOFÜR BRENNST DU?

Bill Gates ist dankbar für die Meditations-App Headspace, Ariana Huffington bekämpft die wachsende Stress- und Burnout-Epidemie in den USA und Spitzensportlern stehen Mental-Coaches am Spielfeldrand zur Seite.

Weiterlesen »
×
×

Warenkorb